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Shane MacGowan: The Pogues - Interview with Spider

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Sp: Ich bin Engländer. Nur drei aus der Band sind irisch. Wir haben diesen Ruf eine irische Band zu sein, wegen der Musik, die wir machen, aber wir haben nie versucht, den Leuten weiszumachen, daß wir eine irische Band sind. Aber Irland, das ist ein einziges Problem. Die Wirtschaft ist im Arsch, schon seit Jahren. Die Jüngeren wandern alle aus.Wißt ihr, unter allen Minderheiten in England sind die Iren die mit Abstand größte. Dann kommen erst die Leute aus Westindien, die Pakistanis und die Juden. Vielleicht noch die Juden, weil sie schon so lange da sind, sie sind so integriert wie die Iren. Man erkennt sie meistens nicht mehr. Aber es gibt Bezirke in London, da denkst du, du bist in Dublin. Das ist gut daran, in einem Land zu leben wie England. Wir haben das alles. Ich kann wirklich Faschisten nicht verstehen, beim besten Willen nicht, wenn sie sagen : "Wir wollen die Schwarzen raus, wir, wollen die Pakis raus haben, die Juden raus, die Türken, die Italiener,die Iren." Warum? Warum? Wo willst du dann essen? Wenn du eine Schachtel Zigaretten kaufen willst, und es ist 1 Uhr morgens, wo willst du die kaufen, wenn die Griechen wieder dort sind, wo ihre EItern herkamen. Was wollen diese Leute? Voll-kommen idiotisch. Alle gehen um halb 11 ins Bett, und das war's dann. Langweilige Scheiße.

MESS: Weil wir gerade bei den Problemen sind, wie geht es weiter in Großbritannien nach Maggie?

Sp: Oh. Auf eine Art tut es mir leid, daß sie gegangen ist Weil, wenn sie an der Macht geblieben wäre, hätte Labour bei der nächste Wahl ohne Mühe haushoch gewonnen. Keine Frage. Sie ist unbeliebt überall. Sie ist unbeliebt sogar in ihrer eigenen Partei. Nun ist sie zurückgetreten, und sie haben noch genug Zeit, einen Kandidaten aufzustellen, der annehmbarer ist. Wenn Labour nicht Neuwahlen durchsetzen kann. (Spider klopft dreimal auf denTisch (Holz).) Aber über kurz oder lang wird es wohl zu einer Labour-Regierung in England, äh in Großbritannien kommen. Wenn Schottland entscheiden würde über die Regierung, man hätte nie von einer Margret Tharcher gehört.

MESS: Ist Deutschland noch ein Thema auf der InseI?

Sp: Ja, ein wirklich interessantes.Wie geht das weiter? Vielleicht rede ich jetzt wie ein Arschloch. Ich hab den Eindruck, Ostdeutschland ist als Sonderangebot über den Ladentisch gegangen. Der Westen hat den Osten wirtschaftlich übernommen, und es wird nicht viel Rücksicht darauf genommen, wie die Leute im Osten damit fertig werden. Ich glaube aber, daß es eine gute Sache ist, daß Deutschland wiedervereinigt ist. Durch Gottes Gnade ist es nicht zu einem Krieg gekommen. Die Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg hatte eine Apokalypse auslösen können.Gott sei dank ist es nicht dazu gekommen, aber es hätte kommen können, Es war eine idiotische Sache, eine idiotische Idee, meine ich, Deutschland zu teilen. Deutschland ist nunmal Deutschland und soll es auch sein. Wenn man den Gedanken der Teilung konsequent durchzieht, müßte man das Land nicht in Ost- und Westdeutschland aufteilen, sondern wieder in Preußen, Bayern, Schleswig-Holstein, Sachsen, die Pfalz usw. Wenn man das nicht will, soll man doch gefälligst Deutschland gestatten, Deutschland zu sein und selbst zu bestimmen. Die Deutschen waren 1939 übergeschnappt - wir Briten haben uns jahrhundertelang über die Welt erhoben, haben das Gleiche getan wie der Führer. Wer hat denn das Recht, andere zu verurteilen. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Ich meine, mit der Vereinigung Deutschlands ist die Hauptursache für einen neuen Krieg verschwunden. Ich weiß natürlich nicht, was in der Sowjetunion passieren wird. Das sieht ein bißchen brenzlig aus. Aber die Einheit Deutschlands, das ist schon o.k. Die Ostdeutschen haben dabei natürlich das kürzere Streichholz gezogen. Der Westen mit all seiner Finanzkraft sollte jetzt nicht triumphieren, sondern sein Geld in das ehemalige Ostdeutschland stecken und helfen, daß der Osten wieder auf die Beine kommt, andernfalls kriegst du ein Land ohne gemeinsames Herz, das wäre eine schlimme Diskrepanz. Der Krieg hat viel angerichtet, und das ist noch zu spüren, die Leute Im Osten sind finanziell und wirtschaftlich schlecht dran, da muß was getan werden.

MESS: Ihr füllt immer größere Säle. Bleibt ihr der Sache gewachsen ?

Sp: Wir haben im Wembley Stadion vor 80.000 Leuten gespielt, zusammen mit U2. In Boston vor 10-12.000 Leuten. Kein Problem für uns.

MESS: Habt ihr einen Lieblingsauftrittsort ?

Sp: Mir hat die Atmosphäre heute Abend wirklich gefallen. Ich möchte wirklich nicht sagen, daß irgendwo der besonders gute Platz ist zum Auftreten. Wenn ich es sagen müßte, wenn du eine Maschinenpistole an meine Stirn hieltest, dann würde ich vielleicht sagen Glasgow, zu allererst, Belfast, Detroit

MESS: Detroit?

Sp: Ja, Detroit, ein verdammt gutes Publikum.

MESS: Wie sieht es auf dem europäischen Festland aus?

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